Meine „Entführung“

Was für ein unglaublicher Tag! Mein liebe Freundnin Pia wollte mich also entführen. Als Entführungsopfer habe ich mich bitteschön um 13:30 Uhr beim Cafe Del Sol einzufinden. Mehr wusste ich nicht, denn mehr wollte ich auch nicht wissen. Das Wetter war zumindest lau Entführerin perfekt:

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Schon kurz nach 13 Uhr war ich da und auch Pia stand schon auf dem Parkplatz, so dass ich fix ins Auto springen und es mir gemütlich machen konnte. Kaum im Auto hatten wir verabredet, dass sie mir nicht sagt wo es denn nun genau hingeht. Zuerst ging es auf der A7 Richtung Hamburg. Schon als ich auf dem Weg ins CdS war, habe ich im Radio gehört, dass auf der A7 ein Stau von 10 Kilometern Länge auf Höhe Schwarmstedt ist. Und da sind wir dann natürlich auch direkt reingerasselt.

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Nun denn, gut eine halbe Stunde ging es dann mehr oder weniger in Schrittgeschwindigkeit voran, aber mit Kommentaren zu unseren Mit-Stauern haben wir uns die Zeit hervorragend vertrieben. Irgendwann habe ich es dann aber vor Neugier doch nicht ausgehalten und Pia hat mir gesagt, was geplant ist. Wir fahren nach Bremen, besuchen nachmittags die Innenstadt und gehen abends dann zu einem Konzert von Astrid North und Christina Lux im ganz kleine Kreise. Herrlich! Das war mal eine richtige Überraschung.

Kurz nach 15 Uhr sind wir dann in Bremen angekommen und haben direkt bei der „Location“ geparkt. Das steht nicht ohne Grund in Anführungszeichen. Anstatt in einer mehr oder weniger großen Konzert- oder zumindest Mehrzweckhalle fand das Konzert im Studio Nord statt, dem ältesten deutschen privaten Tonstudio. Dort haben schon Größen wie Zarah Leander, Heintje und Heino ihre Lieder aufgenommen; auch Rudi Carrell ließ hier alle Musiknummern einspielen, die dann in „Am Laufenden Band“ über die deutschen Bildschirme flimmerten. Das Studio sah von außen erst mal aus wie eine Gaststätte, erbaut in den 1910ern (was es eigentlich auch war). Hätte auch ein etwas größeres Wohnhaus sein können. Dass es sich um ein Tonstudio handelt, konnte man zumindest überhaupt nicht erahnen. Schon wurde meine Vorfreude auf den Abend noch größer, konnte man doch zumindest schon mal ganz gut abschätzen, dass da keine 1000 Leute reinpassen würden. Spannend: genau in dem Moment als wir etwa 100 Meter die Straße entlang quasi gegenüber einen Parkplatz gefunden hatten, fuhr ein Wagen mit Kölner Kennzeichen direkt vor dem Studio vor. Entweder, das wären echte Fans, die aus dem Rheinland bis nach Bremen gekommen sind oder es wären die Hauptakteure des Abend höchstpersönlich. Zu meiner großen Freude konnte ich dann erkennen wie Astrid North ausstieg und den Ort des Geschehens ebenso neugierig in Augenschein nahm wie kurz zuvor ich selbst. Aber wie das eben so ist: als schüchterner Mensch, der ich nun mal bin, haben wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht, anstatt mal schnell „Hallo“ zu sagen…

Astrid

Anschließend ging es mit Bus und Straßenbahn in Bremens Innenstadt. Dort ist ja gerade Freimarkt:

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Überall standen kleine Büdchen, ein kleines Riesenrad drehte seine Runden und wir drehten ebenso kleine Runden durch die Bremer City, auf der Suche nach einem Geldautomaten und einer schönen Gelegenheit für ein frühes Abendessen. Die haben wir dann auch im Maredo gefunden, Herrn Waschk war nach Fleisch. Nach dem leckeren Zwiebelrostbraten gab es auch noch einen besonders lieben Gruß vom Kellner:

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Anschließend machten wir noch einen kurzen Abstecher an die Weser.

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Es folgte eine kleine Odyssee mit dem Bremer ÖPNV. Leider spielte uns die Taktung von Straßenbahn und vor allem Zug nicht wirklich in die Hände.

Okay, wir waren so ziemlich die letzten. Hinter mir kam keiner mehr rein und uns wurde am Eingang auch schon gesagt, dass die Sitzplätze jetzt aus seien, aber immerhin: wir waren pünktlich. Dann ging es durch den recht engen Flur in den Aufnahmesaal. Sehr schnuckelig, sehr ambient beleuchtet, in einem schönen warmen Gelbton gehalten. Insgesamt haben sich sicherlich nicht mehr als 80 Personen eingefunden, wir waren noch mit die Jüngsten. Anfangs mussten wir noch stehen, da tatsächlich alle Stühle schon besetzt waren, aber zum Glück wurden aus einem Nachbarraum noch ein paar Stühle herangeschafft, von denen wir uns zwei abfangen konnten. Gut platziert in der dritten Reihe (von dreien) warteten wir dann auf die Künstlerinnen. Alles war sehr entspannt. Irgendwann kam Astrid North dann in den Raum, sprach kurz mit dem Tonmischer und schlenderte dann sehr relaxed auf die Bühne, begrüßte uns alle sehr warmherzig und klärte uns darüber auf, dass dieser Abend aufgenommen wird. Naja, bietet sich in einem Tonstudio ja an. Was das aber für Konsequenzen haben würde, konnten wir noch nicht erahnen…

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Nachdem Astrid kurz auch Christina Lux auf die „Bühne“ gebeten hatte, diese kurz „Hallo“ gesagt hatte und wieder abgegangen war, ging es los mit Astrid am Konzertflügel. Immer noch eine Gänsehautstimme der Oberklasse. Und natürlich für mich was ganz besonderes, die mal nur begleitet von einem Klavier zu hören, ohne große Band im Hintergrund. Beim dritten Lied ging’s dann los: gut eine Minute hatte sie schon gespielt, eine sehr gefühlvolle Ballade, sehr ruhig, als sie auf einmal abbrach: „Ach Mist, das war nix. Das müssen wir noch mal von vorne… Habe gerade einen kleinen Blackout. Hört mal alle kurz weg.“ Sie fing an, die Harmonien des Liedes schnell hintereinander anzuspielen, so als wenn sie sich selbst das Lied erst wieder in Erinnerung bringen müsse. Dann ging’s noch mal los. Alles sehr entspannt. Zwischen den Liedern gab es immer wieder kleine Anekdoten und Witzchen, so wie man sie sonst bei einem Konzert eben nicht geboten bekommt. Einmal war sie angesichts eines verhauenen Intros so „fertig“, dass sie sich ganz dramatisch auf den Boden fallen ließ.

Nach vier Liedern war dann „Künstlerwechsel“. Das Konzert wurde offiziell als „Doppellausch“-Konzert angekündigt: zwei Künstler zum Preis von einem quasi. Schön, denn so konnte ich zur bekannten Astrid North auch mal die mir bisher völlig unbekannte Christina Lux hören (okay, ich hatte den Namen schon mal irgendwo gelesen). Und die hat mich dann live absolut begeistert. Zuerst einmal ihre Art. Sagen wir mal: sehr bodenständig und robust, klang ein wenig wie „aus’m Ruhrpott“. Vor jedem Lied musste sie mal fix ihre Gitarre nachstimmen, was sie auch gut begründete: „Nee, so geht das nicht. Könnt ihr euch das vorstellen? Da merkste beim Spielen schon, dass es schräg klingt und jedes Mal wenn Du dann später die Aufnahme hörst, denkste… Ach. Na, Ihr könnt Euch das denken.“ Sehr sympathisch. Auch wenn sie dann schon ein Lied angefangen hat und noch mal kurz abbrach, weil eine Saite doch noch nicht so war, wie sie sein sollte. Zitat: „Neee, da müssen wir noch mal bei. Dich krieg ich auch noch.“

Ich muss gestehen: ihre Musik hat mir live sogar noch ein wenig besser gefallen als die von Astrid North. North hat nach wie vor eine absolut tolle Stimme, die wirklich viel rüberbringen kann, aber ihre Songs haben mich nicht ganz so gerissen. Vermutlich hat es im direkten Vergleich da auch jemand mit einer Gitarre – einem Rhythmusinstrument – auch etwas einfacher als jemand, der am Klavier eher langsame Stücke präsentiert. Da ist einfach ein wenig mehr Druck hinter, mehr Leben drin. Aber eigentlich ist der Vergleich nichtig, denn bei beiden Künstlerinnen gab es „perfekte Momente“.

Nach kurzer Pause ging es gemeinsam weiter. Schön, dass die beiden auch ein paar Lieder zusammen gespielt haben, bei denen die eine dann die Background-Stimme zum Song der anderen gemacht hat. Zum Abschluss des Abends gab es dann noch eine sehr amüsante Version von Otis Reddings „Sitting On The Dock Of The Bay“, bei der beide einfach jeden Einsatz verhunzt haben und sich vor Lachen kaum noch halten konnten. Sehr schön, sehr herzlich und sehr toll, wenn man den Künstlern die Spielfreude so was von abnehmen kann.

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Auch an dieser Stelle noch mal vielen, vielen Dank an die liebe Pia. Du hast mir da definitiv einen der schönsten Tage des Jahres beschert!

Und weil’s so schön war, hier noch mal zwei kleine Kostproben der beiden Künstlerinnen:

Astrid North:

Christina Lux:

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