„Luther“ und die Ermittlerarbeit

Seit neuestem schaue ich leidenschaftlich gerne „Luther“. Und das hat nicht nur mit meiner neuen Vorliebe für Ruth Wilson zu tun. In irgendeinem Podcast hatte ich mal aufgeschnappt: „Hier, Leute, die „Sherlock“ mögen, sollten auch mal „Luther“ gucken.“. Zwar ist die Serie auch von der BBC produziert, aber ansonsten doch ziemlich anders.

Luther ist ein Kripo-Ermittler, der einen ziemlichen Hau weg hat. Gerade haben seine Vorgesetzten mal wieder ein Auge zugedrückt, um dem aufbrausenden Heißsporn eine neue Chance zu geben, da leistet er sich schon wieder so’n Ding: er lässt einen Kinderschänder in einer Fabrikanlage in die Tiefe stürzen, obwohl er ihm ohne Probleme eine rettende Hand hätte reichen können. Wir lernen: Luther hat seine Überzeugungen und steht kompromisslos für diese ein. Gerade wieder halbwegs in der Spur, trennt sich überraschend seine Frau von ihm. Dafür lernt er eine hochintelligente und -attraktive Frau kennen, zu der sich eine ganz merkwürdige Beziehung aus Hass, Angst, Zuneigung, Respekt und Hilfsbereitschaft aufbaut. Schwer zu beschreiben, aber das ist eben eine der Sachen, die Luther für mich so gut machen: die Serie ist sehr vielschichtig, das Beziehungsspiel zwischen den einzelnen Charakteren ist sehr komplex, ausgefeilt und sehr dynamisch. Ganz abgesehen von den Kriminalfällen, die in den 50minütigen Episoden fallabschließend geklärt werden, gibt es auf der Beziehungsebene immer wieder spannende, überraschende Wendungen und Fortschritte.

Mit der ersten Staffel bin ich nun fast durch (was bei nur sechs Episoden jetzt nicht soo die Leistung ist), werde mir die weiteren Staffeln aber in jedem Fall auch noch geben. Um noch mal den Vergleich bzw. die Nähe zu „Sherlock“ zu bemühen: ja, „Luther“ ist anders, aber von Erzähltempo und Dramaturgie her ähneln sich die Serien schon ein wenig. Und so komme auch ich zu dem Schluss: wer „Sherlock“ mochte, wird „Luther“ in jedem Fall auch zumindest interessant finden.

Was mich bei „Luther“ jedoch am meisten beeindruckt, ist die Darstellung der Ermittlerarbeit. Verglichen mit dem deutschen „Tatort“ & Co. ist das wie ein Blick in die Zukunft. Während in unseren Serien traditionell immer sehr viele Dialoge mit Verdächtigen und Zeugen vorkommen, sind die Engländer da schon viel digitaler am Start. Da werden besondere Merkmale aufgelistet, durch die Datenbank gejagt, um kurz darauf alle Verdächtigen präsentiert zu bekommen, inklusive Vorstrafen, Wohnortswechsel, Kontobewegungen, KFZ-Zulassungen etc. Jeder Verdächtige ist dort in nullkommanix komplett durchleuchtet. Hinzu kommt noch die flächendeckende Überwachung mit CCTV-Kameras. Während im deutschen Kleinkleckersdorf noch graue Kommissare durch noch grauere Vorstadt-Gassen tappen und händeringend nach Zeugen suchen, heißt es in London nur noch: „Schaut Euch mal das Videomaterial dieser sechs Kameras der letzten sieben Tage an.“ Beeindruckend und beängstigend zugleich.

Also: wer Watchever hat (oder eben Bock auf eine kurz-knackige Krimiserie mit guten Darstellern und spannenden Fällen), der solle mal einen Blick auf „Luther“ wagen. Lohnt sich.

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