Heimkino-Update: „Die Tür“

Wird Zeit mal wieder ein wenig zu bloggen. Habe gerade mal wieder Lust ein paar Filmrezensionen zu schreiben. Genug angesammelt hat sich ja. Vor ein paar Wochen habe ich mich mal dem Thema „surrealer deutscher Film“ gewidmet. Allzu viel bietet das Genre ja nicht wirklich. Leider trauen sich deutsche Filmemacher nur selten an solchen Stoffen wie sie etwa „Stadt der Blinden“ oder „The Fall“ bieten. Immerhin: zwei Filme habe ich gefunden – und gesehen. Heute gibt es eine Rezension zu „Die Tür“, morgen eine zu „Die Wand“. Und nein, keiner der Filme hat was mit Architektur zu tun. 😉

Inhalt:

David (Mads Mikkelsen) hat gleich zwei unverzeihliche Fehler an einem Tag begangen. Während er mit seiner attraktiven Nachbarin fremdgegangen ist, spielt seine Tochter unbeaufsichtigt im Garten. Sie fällt in den Pool, ein Schnürsenkel verfängt sich im Abfluss und sie stirbt. Fünf Jahre später: den Tod seiner Tochter hat David immer noch nicht verwunden, seine Ehe ist inzwischen beendet und sein Leben alles andere als lebenswert. Bis eine seltsame Tür seine Aufmerksamkeit erregt. Als er durch sie hindurch geht, steht er auf einmal wieder auf der Straße vor seinem Haus – an jenem schicksalhaften Tag, der sein Leben zerstörte. Er sieht, wie sein altes Ich über die Straße zur Nachbarin geht und nutzt die Gelegenheit, um seine Tochter vor dem Tod zu retten. Doch was nun? Irgendwann kommt sein altes Ich ja wieder nach Hause…

In den Film bin ich komplett ohne Erwartungen gegangen. Ich wusste nur, dass er seinerzeit in der Sneak lief und dort von vielen sehr gut bewertet wurde. Enttäuscht wurde ich nicht. Der Film ist eine Arte-Version von „Zurück in die Zukunft“ mit einigen feinen Unterschieden. Der größte ist sicherlich, dass hier nicht jemand in der Vergangenheit etwas erreichen muss, um die Zukunft so zu erhalten wie sie ist. (SPOILER VORAUS) Hier geht es vielmehr darum, dass der David aus dem Jetzt den David von vor fünf Jahren komplett ersetzt, ihn tötet und dessen Stelle einnimmt.

Im Gegensatz zu anderen Zeitreise-Filmen geht es hier nicht nur um die Handlungen und ihre Konsequenzen, sondern vor allem auch um das Gefühlsleben der Charaktere. Davids Tochter merkt, dass an ihrem Vater irgendwas komisch ist. Und auch die Beziehung zu seiner Frau (Jessica Schwarz) wird genau durchleuchtet. Dieser Ansatz hat mir sehr gut gefallen.

Das klingt nun nach einem „typischen Arthaus-Laberfilm“, aber der Eindruck täuscht. Die ganze Zeit über passieren unvorhergesehene Dinge, die konstant den Spannungs-Level hoch halten. Schließlich reitet sich David mehr und mehr in den Mist und muss zusehen, dass sein instabiles Lügengebäude nicht in sich zusammenbricht. Und was hat es eigentlich mit diesem derbe unsympathischen Nachbarn auf sich?

Nur so viel: an einigen Stellen stand mir wirklich der Mund weit offen, so sehr hat mich der Film mit seinen Wendungen überrascht. Vermutlich lag es auch zu einem Großteil an dem guten Spiel von Mikkelsen und Schwarz, dass ich den Darstellern förmlich an den Lippen hing. Mich hat der Film zumindest voll abgeholt.

Wer sich auf den Film einlassen kann und beim Thema „Zeitreise“ nicht ausschließlich an Blockbuster-Komödien denkt, kann hier einen für das Produktionsland Deutschland eher untypischen, aber sehr lohnenden Filmabend verbringen.

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