Filmkritik „Alles eine Frage der Zeit“

Der Neuseeländer Richard Curtis war mir vom Namen her jetzt nicht so bekannt, aber spätestens wenn man auf sein Werk zurückblickt, merkt man, dass er einer der ganz großen ist. MiT „Tatsächlich, Liebe…“ bescherte er uns einen der schönsten Liebesfilme der letzten Jahre und auch das Drehbuch zu „Notting Hill“ stammt aus seiner Feder. Kein Wunder also, dass mich seine letzte Regiearbeit „Alles eine Frage der Zeit“ an eben jene sympatischen modernen Klassiker denken ließ…


An seinem 21. Geburtstag wird Tim (Domhnall Gleeson) von seinem Vater (Bill Nighy) ein wohlgehütetes Familiengeheimnis offenbart: alle männlichen Familienmitglieder besitzen die Fähigkeit, in der Zeit zurückzureisen. Spätestens als er seine Traumfrau Mary (Rachel McAdams) kennenlernt, rettet ihn diese Superkraft vor so mancher Peinlichkeit – einfach die Zeit zurückdrehen und das Fettnäpfchen vermeiden. Im Lauf der Zeit muss Tim aber auch feststellen, dass es nicht immer gut ist die Zeit zurückzudrehen. Manche Dinge lassen sich auch in einem neuen Anlauf nicht verhindern.

Bei Filmen mit Zeitreisen blinkt bei mir immer das große Warnschild „Achtung! Logiklöcher!“ auf. Nun ist dieser Film aber keiner von der Sorte, bei denen man sich jederzeit penibel die Frage stellen sollte, wie das denn nun alles funktionieren soll. Über die Frage wie denn sowohl Vater als auch Sohn jederzeit in die Vergangenheit reisen können und die Handlung trotzdem irgendwie weiter geht, sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen. Macht man sich über die Logik nicht allzu viele Gedanken, sondern begreift die Zeitreisen als ein kleines Gimmick, kann man mit dem Film sehr viel Spaß haben.

Anfangs wird die ungewöhnliche Fähigkeit natürlich an Nichtigkeiten ausprobiert, die für eine Menge Spaß sorgen. Dass Tim Marys Herz noch einmal für sich gewinnen muss, weil er nach dem ersten gemeinsamen Abend (an dem er sich Hals über Kopf in sie verliebt hat) notgedrungen noch mal in die Vergangenheit springen muss, sorgt für einige amüsante Szenen. Natürlich ist Mary verwirrt, dass ihr zukünftiger Freund beim zweiten Anlauf so viel über ihre Interessen und Vorlieben weiß.

Das Drama darf natürlich auch nicht fehlen. Obwohl der Film großteils lustig und romantisch ist, wird die ungewöhnliche Fähigkeit auch dafür genutzt, um die gravierenden Dinge zu ändern, die in der Vergangenheit so richtig schief gelaufen sind. Frei nach dem Motto: „Von wo an kam das Leben auf die schiefe Bahn?“. Im großen und ganzen wird die Zeitreise aber meistens nur dafür genutzt, um kleinere Missgeschicke zu umgehen. Das sorgt letztlich auch dafür, dass man nicht großartig mit „Wenn er hier jetzt das so gemacht hat, dann müsste in der Zukunft also…“-Gedankenspielen abgelenkt wird und kommt so dem Filmfluss zugute.

Was den Film für mich besonders sympathisch gemacht hat, sind seine Hauptdarsteller. Domhnall Gleeson (ja, er ist der Sohn von Brendan Gleeson) ist nicht der obligatorische Schönling oder Charmeur a la Hugh Grant, sondern im besten Sinne ein stinknormaler Kerl mit der Ausstahlung eines Per Mertesacker. Und auch Rachel McAdams ist hier mal nicht die waffenscheinpflichtige Augenweide, sondern eher ein unsicheres Mauerblümchen vom Typ „Puttchen Brammel“. Zu Bill Nighy braucht es sowieso keine weiteren Worte außer: „It’s Bill Nighy!“.

Mich hat der Film von Beginn an sehr gut unterhalten und mir auch das eine oder andere kleine Tränchen entlockt. Wer also mit Curtis‘ Filmen „Tatsächlich, Liebe…“ und „Notting Hill“ etwas anfangen konnte, sollte diesen Film hier nicht verpassen. Ganz große Empfehlung.

Fazit: 10/10

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2 Gedanken zu „Filmkritik „Alles eine Frage der Zeit“

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