Filmkritik: Gone Girl

Als Nick Dunne (Ben Affleck) nach Hause kommt erwartet ihn eine böse Überraschung: das Haus steht leer, seine Frau Amy (Rosamund Pike) ist verschwunden. Eine zerbrochene Glastischplatte deutet auf einen Kampf hin. Als Nick seine Frau bei der Polizei als vermisst meldet, gerät er schnell selbst in den Fokus der Ermittler: mit der Ehe von ihm und der bekannten Kinderbuch-Autorin stand es wohl nicht zum Besten.


Mit Filmen von David Fincher habe ich häufiger so meine Problemchen. Ich kann zwar anerkennen, dass sie handwerklich einwandfrei produziert sind und auch erzähltechnisch zur Oberklasse gehören – oftmals können mich seine Filme aber nicht komplett packen. So auch „Gone Girl“. Fincher lässt den Zuschauer zwar lange im Ungewissen was es mit dem Verschwinden von Amy auf sich hat und legt nach der Auflösung noch mal ein gutes Stündchen Film hinterher, das durchaus zu gefallen weiß. Aber in keinem Moment habe ich wirklich richtig mitgefiebert.

Woran das liegt wird schnell offensichtlich: beide Hauptcharaktere sind einfach nicht sympathisch. Nick wird als Mann eingeführt, der lieber morgens um 11 Uhr in einer Kneipe Whiskey trinkt als sich um Familiendinge zu kümmern und stellt sich im weiteren Verlauf auch als jemand dar, der gern mal temperamentvoll ist und Gefahr läuft, die Selbstbeherrschung zu verlieren. Amy wiederum wird in der Rückschau als erfolgsorientierte, verwöhnte und mäkelige Frau dargestellt, so dass man sich denkt „Soll Nick doch froh sein, dass er sie los ist.“ Dass man von einem Film gefangen wird hängt zumeist damit zusammen, dass man sich mit einem Charakter in irgendeiner Weise identifizieren kann oder große Sympathien für ihn hegt. Das ging mir hier leider vollkommen ab.

Und dieses Problem zieht sich bei mir durch das jüngere Werk von Fincher wie ein roter Faden. Egal ob „Verblendung“, „The Social Network“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ oder „Zodiac“ – immer wieder geht es bei ihm um Typen, für die man höchstens mit großer Überwindung ein wenig Sympathie entwickeln kann. Selbst „Fight Club“ mit einem miesepetrigen Edward Norton und einem arrogant-aggressiven Brad Pitt bildet da keine Ausnahme.

Und ebenso wie bei allen anderen genannten Filmen erkenne ich auch hier ihre Klasse, weiß dass sie durchaus wichtige Filme sind, die in ihren Erscheinungsjahren gut in den Jahres-Top-Ten mitspielen können, aber so richtig erreichen sie mich dann doch nie.

Der Film ist mit 2,5 Stunden Laufzeit zwar ziemlich lang geraten; langatmige Szenen, an denen man hätte kürzen können, lassen sich aber nicht finden. Alles hat seinen Sinn, um Atmosphäre zu schaffen oder die Charaktere genauer zu zeichnen.

Fazit: „Gone Girl“ ist ein durchaus sehenswerter Film, dessen Ausgang mir für einen Thriller leider zu egal ist.

Fazit: 7/10

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