Das Kleine Fest im Großen Garten

Für meine Premiere beim Kleinen Fest im Großen Garten habe ich mir das richtige Jahr herausgesucht. Das Spektakel in den Herrenhäuser Gärten feiert nämlich gerade sein 30jähriges Jubiläum. Eins steht schon mal fest: das war nicht mein letzter Besuch.

IMG_20150722_212418

Michi ist was das Kleine Fest angeht ein alter Hase und hat mir erklärt was das ist, wie das abläuft und warum das so toll ist. Jetzt lag es an mir das selbst heraus zu bekommen.

Michi: “Toll ist zum Beispiel, dass es schon vor dem Start losgeht.”
Andy: “ Aha.”
Michi: “Mit einem Picknick.”
Andy: “Essen! Das klingt gut”

Und so ist es dann auch. Bevor die Herrenhäuser Gärten ihre Tore öffnen, finden sich die Besucher erst mal entlang der östlichen Graft ein, breiten ihre Decken aus und genießen ihr selbst mitgebrachtes Abendessen. So weit, so gut. Das können wir auch:

IMG_20150722_173541

20150722_181250

Währenddessen mischen sich die Akteure des Abends, die Artisten und Künstler, unter das feierwillige Volk. Sie treiben hier und da ihre Späßchen, plauschen mit den Gästen oder werfen sich für Fotos gerne in Pose.

20150722_192705

Doch jetzt erst mal einen Schritt zurück! Vor das Picknick hat mein geliebter Fest-Hase die Vorbereitung gesetzt. Denn einfach so drauf los schlendern ist beim Kleinen Fest eher nicht angesagt. Das ausführliche Programmheft enthält eine Übersicht und Informationen zu den gut 50 verschiedenen Programmpunkten und einen Zeitplan, wann welche Gruppe/welcher Künstler auftritt. Vorab wurde ich also gebeten mir das Heft anzusehen und alle die Sachen anzukreuzen, die mir interessant erschienen. Anschließend hat sich Michi den Lage- und den Zeitplan geschnappt und versucht meine Wünsche in die optimale Reihenfolge zu bringen, damit wir möglichst viel sehen und nichts verpassen. Viele Künstler spielen ihr Programm in der Zeit von 18:30 Uhr bis 22:00 Uhr mehrmals, jeweils knapp 15 – 20 Minuten, so dass man in den Pausen schnell von einer Bühne zur nächsten huschen kann. Michis Planung ist optimal aufgegangen: wir haben echt das Beste rausgeholt.

Nach der feierlichen Eröffnung durch den Leiter Harald Böhlmann, den sog. “Mann mit dem Zylinder” wurden die Tore geöffnet. Unser erster Programmpunkt war ganz in der Nähe des Eingangs. Gut geplant. Eine Französin präsentierte uns ihr singendes und tanzendes Gemüse. Klingt komisch. Irgendwie kindisch. Das war auch mein erster Eindruck als ich da vor diesem Marktstand saß und die Show losging. Madame pries ihr Tanzgemüse überschwänglich wie ein Zirkusdirektor an. Hatte ich in den ersten Minuten noch Probleme damit, mit dem Gemüse warm zu werden, hatte ich am Ende fast eine kindliche Begeisterung. So viele kleine Ideen, lustige Einlagen und freche, teils derbe Sprüche haben dafür gesorgt, dass nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen mächtig Spaß hatten. Hätte ich anfangs nicht gedacht.

20150722_183458

Anschließend ging es weiter zum “Festival der Turnkunst”. Als Auftrittsort hatten sie eines der Filetstücke: das Gartentheater mit seinen goldenen Statuen. Die Show war okay. Artistik halt. Tolle Körperbeherrschung ohne Makel oder Wackeln. Im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte nur ein wenig konservativ, ideenlos.

20150722_191935

Eigentlich muss man ja echt sagen “Ein Highlight jagte das andere”, denn: toll waren sie alle. Nachdem die Akrobatik vom Team des “Festivals der Turnkunst” schon schön anzusehen war, setzte das chaotische Quartett “15feet6” da noch einen drauf. Neben toller Akrobatik, hauptsächlich an einer (vermutlich 15 Fuß und 6 Zoll hohen) Stange überzeugte mich das wild zusammengewürfelte Team aus Australien, Frankreich, Belgien und England auch noch mit seiner Dynamik und außergewöhnlich witzigen Ideen. Anstatt dass alle gemeinsam ein Programm zeigten, wurde einer der Turner vom Rest immerzu gepiesackt, bekam neben Backpfeifen auch eine schön verpackte Bombe geschenkt, die mit einem lauten Knall auch den verschnarchtesten Besucher wieder wach bekommen hat. Falls Ihr mal die Gelegenheit habt, diese spritzig-qietschfidele Truppe zu sehen: nutzt sie!

20150722_193432

Wie vielfältig Akrobatik sein kann haben wir dann spätestens bei unserem vierten Programmpunkt gesehen. Nach der guten, aber recht konservativen Performance vom “Festival der Turnkunst” und den wieselflinken “15feet6” folgten nun “Psirc” aus Barcelona. Ihre Akrobatik-Nummer war sehr ruhig, langsam, ein wenig verträumt und untermalt von entspannender Musik. Was die drei Turner mit den ganzen Holzkisten verschiedener Größe angestellt haben, war auch sehr sehenswert.

IMG_20150722_202253

Kaum zuende geklascht, schon ging es zur nächsten Bühne direkt daneben. Dort wartete schon der Comedian Timo Wopp auf sein Publikum und vertrieb uns gekonnt die Zeit bis zum offiziellen Beginn seines Auftritts. Sehr sympathisch überzeugte er mich mit der richtigen Mischung aus intelligentem und teils echt derben Humor. Ich kann sowas ja ganz gut ab. Außergewöhnlich wurde sein Auftritt dann als er zu jonglieren begann und mit diversen Jonglage-Tricks den dazu gesprochenen Text untermalte.

IMG_20150722_210148

Anschließend hatten wir tatsächlich mal ein wenig Zeit, um durch den Herrenhäuser Garten zu schlendern, denn die nächste Nummer, die auf unserem Programm stand ließ uns gut eine halbe Stunde Freiraum. Vermutlich waren wir für Noa und Uri Weiss schon ein wenig mit Akrobatik überfüttert. Wobei: die glänzten zwar auch mit ein wenig Akrobatik, das Highlight ihres Programms war aber die Interaktion mit dem Publikum. Zuschauer wurden mit flotten Sprüchen kommentiert und sechs junge Männer durften für eine Nummer das Trapez halten. Sehr sympathisch.

(Ein Foto der beiden im Sonnenuntergang ziert den Beginnn dieses Artikels)

Direkt nach dem Ende der Nummer haben wir uns dann einen schönen Platz für das abschließende Feuerwerk gesucht und unser Picknick-Deckchen wieder ausgebreitet. Nach kurzer Zeit sprach der Mann mit dem Zylinder noch ein paar Worte, bevor er alle rund 150 Akteure des Festes zu einer Parade bat, um sie gebührend vorzustellen. Alle Künstler wurden mit viel Applaus verabschiedet. Es folgte der traditionelle Flug der “Heliosphäre”.

20150722_223608

Vom abschließenden Feuerwerk gibt es kein Foto, denn ich hatte ganz frech beschlossen, den Moment einfach zu genießen. Das Feuerwerk war toll und überraschend lang. Anschließend wurde der Große Garten noch einmal für eine Weile illuminiert. Wir machten es uns beim Moccamaker gemütlich und haben noch Waffeln und “Eunuchen-Kuchen” genossen.

20150722_231347

Kurz bevor wir uns auf den Heimweg gemacht haben, gab’s noch ein kleines Selfie vor einer illuminierten Fontäne.

20150722_232925

Was für ein entspannter, schöner, ereignisreicher Abend! Sogar das Wetter hatte mitgespielt, obwohl zu Beginn vom Mann mit dem Zylinder ein kleiner Regenschauer prophezeit wurde. Der hat aber offensichtlich einen großen Bogen um Hannover gemacht. Gut so!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s