Filmkritik: „The Imitation Game“

Zweiter Weltkrieg: Deutschland hat das restliche Europa im Sturm eingenommen, kontrolliert gut zwei Dutzend Hauptstädte und wird für England mehr und mehr zu einer ernsten Bedrohung. Die britische Spionage beißt sich an der deutschen Kommunikation die Zähne aus. Deutschland hat die Enigma entwickelt, eine Kodiermaschine, die unbezwingbar erscheint. Der britische Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) wird von der Regierung damit beauftragt, mit einem kleinen Team an der Entschlüsselung der Enigma-Codes zu arbeiten. Zu seinem Team stößt die außergewöhnlich intelligente Joan (Keira Knightley), die sich natürlich promt in den brillanten Denker verliebt. Das Problem: Turing ist homosexuell und stößt in der damaligen Gesellschaft nicht gerade auf viel Toleranz.

Acht Oscar-Nominierungen, u. a. für Cumberbatch und Knightley sind schon mal eine Hausnummer. Einen Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte allerdings nur Graham Moore als Autor des besten adaptierten Drehbuchs. Ein Reinfall ist “The Imitation Game” aber in keinem Fall. Zu Beginn hat der Film eine durchaus humorvolle Note. Das Anwerbungsgespräch mit dem Offizier des Geheimdienstes ist schon sehr amüsant und ließ fast vermuten, dass der ganze Film eine leichte Komik aufweisen würde. Doch das ist nicht der Fall. Zwar gibt es hin und wieder einige Momente, die einen den Mundwinkel nach oben ziehen lassen, mit Komik hat das aber nur wenig zu tun.

“The Imitation Game” ist vielmehr ein lupenreines Drama, das eine so trockene Materie wie das Entschlüsseln von Geheimcodes doch in ein durchweg unterhaltsames Drehbuch packt. Der Oscar geht an dieser Stelle also schon mal klar. Zwar beginnt der Film mit Turings Stimme aus dem Off: “Hören Sie gut zu. Achten sie auf alle Details. Ich werde nichts wiederholen.”, glücklicherweise versteigt sich der Film dann jedoch nicht in zu viele Details bezüglich der Entschlüsselung, sondern bleibt jederzeit gut verständlich – nicht nur für Mathematiker und Code-Knacker. Ich für meinen Teil fühlte mich jederzeit gut unterhalten, wollte immer wissen wie es weiter geht und musste an ein, zwei Stellen vor Spannung tatsächlich die Luft anhalten. Kann Turings Maschine tatsächlich den Enigma-Code knacken?

Die Ausstattung des Films ist natürlich nicht zu bemängeln. Der bisher eher unbekannte norwegische Regisseur Morten Tyldum lässt hier ein authentisches England Anfang der 40er Jahre entstehen. Einzig die hin und wieder eingeblendeten Kriegs-Szenen konnten kommentarlos bei mir nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Entweder hätte man sie weglassen können oder zumindest stichwortartig über den jeweils aktuellen Stand des Krieges informieren können. Nächstes kleines Manko: der zeitliche Ablauf bzw. der zeitliche Umfang der Ereignisse bleibt ziemlich schwammig. Rückblenden in Turings Kindheit machen es da leider nicht besser. Dies sind aber nur sehr kleine Details, die das Vergnügen am Film nicht wirklich schmälern.

Darstellerisch würde ich mal sagen: solide Kost. Keira Knightley hat schon für bessere Filme keinen Oscar bekommen (“Abbitte”, “Stolz & Vorurteil”, “Domino”), während Cumberbatch mit Sicherheit im Rennen um die Academy Awars in den kommenden Jahren häufiger mal auftauchen wird. Zwar spielt er den scheuen Mathematiker durch und durch gut, aber gerade ein paar Tage vorher habe ich “Die Entdeckung der Unendlichkeit” gesehen. Im direkten Vergleich war Eddie Redmayne schon der verdientere Gewinner.

Alles in allem ein sehr sehenswerter Film, der eine wahre Begebenheit anschaulich und trotz ihrer Abstraktheit sehr unterhaltsam erzählt. Fazit: 8/10

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