Serien-Update Januar 2016

Das neue Jahr beginnt für mich als Serien-Fan hart: in den Kreisen meiner sozialen Netze wabern momentan auffällig viele Tipps zu Serien, die oftmals mit dem Prädikat “…das Bester, was ich seit langem gesehen habe…” angepriesen werden. Und so stehen nicht nur “Making an Murderer” und “Mr. Robot” ganz hoch im Kurs. Auch die ZDF-Pastewka-Serie “Morgen höre ich auf” will nach der Ausstrahlung der letzten Folge “amtlich weggebinged” werden. Und nach der etwas enttäuschenden dritten Staffel von “American Horror Story” ist meine Lust auf neuen Grusel in der vierten Staffel trotzdem noch lange nicht verflogen.

Ich überlege gerade, wie ich hier im Blog ab und an über Serien schreiben kann, denn werktags ist uns abends meist nicht nach einem ganzen 2-Stunden-Film. Dass wir dann meist in ähnlicher Länge mehrere Episoden einer Serie gucken – geschenkt. Ich habe mich vorerst dafür entschieden einfach mal so “mittendrin” kurze Updates zu geben, was gerade so geguckt wird. Staffelweise rezensieren liegt mir nicht so.

Momentan schaue ich hauptsächlich zwei Serien: “The Man In The High Castle” und “Extant”. Erstere wurde mir auch durch diverse Tweets empfohlen, letztere habe ich mir durch eigenes Interesse selbst eingebrockt.

“The Man In The High Castle” macht wieder mal das beliebte Was-wäre-wenn-Szenario auf, das auch schon Richard Harris in seinem Roman “Vaterland” beschrieben hat: was wäre, wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. In der Welt von TMithC sind die USA in drei Sektoren aufgeteilt. Während die Ostküste den Nazis anheim gefallen ist und nun zum Großen Reich gehört, firmiert die Westküste nun unter japanischer Flagge. Der Mittlere Westen ist eine neutrale Zone. Im großen und ganzen geht es darum, wie sich Teile der amerikanischen Bevölkerung im Untergrund organisieren und sich gegen ihre Besetzer zur Wehr setzen. Während in San Francisco ein Anschlag auf den japanischen Kronprinzen verübt werden soll, ist man auf der Ostseite des Kontinentes damit beschäftigt, dem “Mann im hohen Schloss” Propaganda-Filme zukommen zu lassen, die eine Vision von unserer realen Welt zeigen – Hitler hat den Krieg verloren, Amerika lebt in Freiheit.

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Nach nunmehr fünf Folgen vermag mich die Serie immer noch nicht richtig zu fesseln. Klar sieht das erst mal alles sehr imposant aus: Der Times Square vollgepflastert mit Hakenkreuzen, an typisch amerikanischen Häuserfassaden hängen Hitler-Plakate und San Francisco steht ganz im Zeichen der aufgehenden Sonne. Aber der Reiz ist schnell verflogen und ich habe mich gefragt, warum neben all den deutschen Hinweisschildern auch noch so vieles auf Englisch beschriftet war. Als wenn die Nazis einem anderen Volk seine Kultur lassen würden. Ähnliches an der West Coast: eine Amerikanerin geht zu einer Behörde, grüßt den Beamten japanisch, spricht dann aber englisch weiter. Warum dieser Mischmasch?!

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Egal, das ist ja nur eine Kleinigkeit. Was ich an der Serie mag ist die Tatsache, dass sie sich nicht auf eine Seite schlägt und vor allem den bösen Nazi nicht nur als plumpen Stereotyp zeigt. Für mich entstand jedenfalls bisher der Eindruck, dass alle Seiten dieses Konfliktes angemessene Screen Time bekommen und die Serie dadurch auch sehr facettenreich wird. Einzig es fehlt mir der Wille mit einem der Charaktere wirklich mitzufiebern. Zumal mir diese Sache mit dem “Diese geheimen Propaganda-Filmrollen müssen über Mittelsmänner an einen ominösen Mann gegeben werden” ein wenig zu vage ist. Was es mit diesen Filmrollen auf sich hat, bleibt ungewiss. Mir fehlt aber auch die Lust herauszubekommen, was denn nun das Geheimnis der Filme ist. Nachdem wir mit der Serie nun halb durch sind werde ich sie wohl ebenso halb-herzig zuende sehen. Vielleicht kommt ja noch was ganz grandioses. Aber dem Hype, der teilweise gemacht wurde (verstärkt vermutlich auch durch das Guerilla-Marketing von Amazon), wird die Serie meiner Meinung nach nicht gerecht.

“Extant” habe ich mir zur momentanen Sport-Serie auserkoren, die immer dann geschaut wird, wenn ich auf dem Heimtrainer meine Indoor-Runden fahre. Hauptdarstellerin Halle Berry spielt die Astronautin Molly Wood, die bei den Gesundheits-Checks nach einer 13-monatigen Weltraum-Mission die freudige Nachricht bekommt, sie sei schwanger. Spannend wird das ganze nun dadurch, dass sie diese 13 Monate allein auf einer Raumstation verbracht hat. Hinzu kommt, dass sie während ihres Aufenthaltes im All einen Blackout hatte und sich einen verstorbenen Freund herbei-hallusziniert hat. Derweil war ihr Mann damit beschäftigt auf der Erde eine künstliche Intelligenz zu bauen, die nun in Form eines etwa 6jährigen Kindes zu seiner Familie gehört. Kind mit Steckdose quasi.

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Joah, kann man machen. Auch hier bin ich gerade fast in der Serienmitte angekommen (6 von 13) und komme zu dem Schluss, dass es sich um eine okaye Sci-Fi-Serie handelt, die man durchaus gucken kann, aber nicht gesehen haben muss. Noch immer ist nicht ganz klar, was es mit der Weltraum-Schwangerschaft genau auf sich hat, aber im Gegensatz zu THithC bin ich hier schon ein wenig auf die Auflösung gespannt. Halle Berry bekommt es hier mit einer geheimdienstähnlichen Weltraumorganisation zu tun, die sie auf Schritt und Tritt überwachen und ihre Glaubwürdigkeit untergraben will. Auch der Nebenplot mit der künstlichen Intelligenz hat seine Brisanz: wenn der Kleine in einem Museum steht und dort erklärt bekommt, dass der Neanderthaler vom Menschen ausgerottet wurde, weil der nun mal intelligenter war, kann man sehen wie es in diesem unschuldigen Kinderkopf zu rattern beginnt.

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Getragen wir das Ganze von gut besetzten Schauspielern. Halle Berry funktioniert nun mal als Power-Frau. Hinzu kommt ihr zwielichtiger Chef, gespielt von Michael O’Neill (“Dallas Buyers Club”, “Transformers”), der den typischen Haudegen mit Herz gibt. Camryn Manheim (“Ghost Whisperer”) spielt Mollys beste Freundin und kommt auch sehr sympathisch rüber.

Zwischenfazit der zweiten Kalenderwoche 2016: bei “Extant” drücke ich ein wenig lieber auf “Play” als bei “The Man in the high Castle”.

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2 Gedanken zu „Serien-Update Januar 2016

  1. Schön einmal wieder deine Meinung zu ein paar Serien zu lesen. Mir geht es übrigens auch so, dass unter der Woche kein Film mehr drin ist, da man einfach zu spät aufs Sofa kommt. Seit einem Monat habe ich nun auch Prime samt schneller Internetverbindung und genieße die Serienvielfalt. Was man da mit mehr Zeit alles schauen könnte. „The Man in the High Castle“ werde ich auch noch nachholen, da ich dieses Parallelkonzept spannend finde und auch die Vorlage gut fand (auch wenn ich mich kaum noch an das Buch erinnern kann).

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  2. Wir haben uns jetzt nach fünf Folgen entschlossen mit TMithC aufzuhören. Stattdessen schauen wir seit „Rita“ bei Netflix. Die ersten beiden Folgen waren da schon mal sehr, sehr gut. Da folgt hier wohl noch eine ausführliche Empfehlung. Drauf gekommen bin ich übrigens durch einen Artikel bei SPON, der sich mit dem Serien beschäftigt, die bei vielen unter dem Radar gelaufen sind.

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