Serien-Review: „Rita“

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Als der Dramaking eine Empfehlung für die Serie “Rita” ausgesprochen hat, war ich erst mal verblüfft: was findet der denn bitte an einer Serie mit Gaby Köster als Kassiererin so toll? Bis mich der allabendliche Besuch bei Netflix eines Besseren belehrt hat. “Rita” ist nämlich auch eine Serie aus Dänemark. Und Rita heißen nicht nur Discounter-Kassiererinnen, sondern offensichtlich auch durchgeknallte Lehrerinnen.

Im ersten Moment fühlte ich mich an das Cameron-Diaz-Machwerk “Bad Teacher” erinnert. Da sitzt eine schlanke attraktive Lehrerin mit langen blonden Haaren auf dem Schulklo, raucht gemütlich eine Zigarette und studiert die Klowand-Malereien der Schülerinnen. Aber Darstellerin Mille Dinessen braucht nicht lange, um mein Herz zu erobern. Ihre smarten Sprüche und der teils rüde, aber eben auch teils liebevolle Umgang mit den Schülern überzeugt von Beginn an. Dass manche Kids ab und an mal einen gepflegten Tritt in den Allerwertesten brauchen, um ihre Fehler einzusehen, passt so gar nicht in das pädagogische Konzept von Neu-Lehrerin Hjördis. Die versucht in ihrem ersten Jahr an der Schule auf Biegen und Brechen alles richtig zu machen, scheitert mit ihren hehren Absichten aber knallhart an der Realität. Wie gut, dass sich Rita – wenn auch widerwillig – ein wenig ihrer annimmt.

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Außerdem gibt es da noch den Schulleiter Rasmus, mit dem Rita ein wildes Abenteuer pflegt, ohne sich auf mehr einlassen zu wollen. Und eine hinterlistige Vertrauenslehrerin, die es nicht gut verknusen kann, dass die Kids anscheinend einen besseren Draht zu Rita als zu ihr haben.

Die Serie folgt dem inzwischen wohl gängigsten Serien-Prinzip. In einer Folge von knapp 40 Minuten wird eine Handlung komplett auserzählt, während alles von einer umfassenderen Geschichte umspannt wirdt. Und so bekommen wir es mit quasi allen Problemchen zu tun, die der Schulalltag für Lehrkräfte bereit hält: ausgegrenzte Schüler, Drogen, ungewollte Schwangerschaft, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Autismus, und depressiven Eltern etwa. Ganz abgesehen davon hat Rita auch mit ihren eigenen drei Kindern gut zu tun: ihr Jüngster hat mit 15 Jahren gerade sein Coming-Out, während ihr Ältester mit 22 kurz vor der Hochzeit mit einem Mädchen steht, das ganz offensichtlich nicht zu ihm passt. Ihre Tochter hat sich derweil nach der Trennung von ihrem Freund bei Mama Rita einquartiert, sucht erfolglos einen Job und ist voller Selbstzweifel.

Es gibt für Rita also an allen Fronten genug zu tun. Nachdem die erste Folge mit viel Witz und flotten Sprüchen Lust auf leichte Unterhaltung gemacht hat, verfliegt diese Leichtigkeit doch sehr schnell. Die Probleme treten in den Vordergund und sorgen dafür, dass ich “Rita” eher als Drama denn als Comedy bezeichnen würde. Auch wenn die ganzen Charaktere vielleicht nicht immer 100%ig authentisch sind (oder gibt es wirklich Schulrektoren, die immer in Shorts in die Schule kommen?!), habe ich jeden für sich doch mit all seinen Macken sehr lieb gewonnen. Das sorgt natürlich dafür, dass ich mich richtig mitfreuen, aber auch richtig mitleiden kann. Gerade Mille Dinessen macht es einem da sehr einfach. Ihre Rita ist unkonventionell, manchmal vorlaut und rotzfrech, aber in ihren ruhigen Momenten auch so nachdenklich, dass man sie einfach nur mögen kann. Aber auch Lise Baastrup als Hjördis gibt ihre etwas trampelige Neu-Pädagogin so schön naiv und mit so viel Leidenschaft, dass sie offensichtlich nicht nur bei mir gut ankam: inzwischen hat sie eine eigene Spin-Off-Serie, die auch recht weit oben auf meiner Liste steht.

Wer gute Unterhaltung mit Tiefgang, aber ohne Trübsal mag, der ist bei “Rita” gut aufgehoben. 8/10

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3 Gedanken zu „Serien-Review: „Rita“

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